27.Okt. 2011 - Kölner Stadtanzeiger
Hafenausbau
Der Kampf geht in die nächste Runde
Von Ulrike Süsser, 27.10.11, 12:46h
Sürth/Rodenkirchen - Die Treffen und die Besprechungen der Mitglieder der "Aktionsgemeinschaft contra Erweiterung Godorfer Hafen" sind seit der Einwohnerbefragung im Sommer seltener geworden. Auch an der Mahnwache, dem "Kommunikationszentrum" draußen im Bauwagen in der Sürther Aue, war zuletzt nicht mehr viel los. Das soll aber kein Dauerzustand sein. Nur eine vorübergehende Auszeit haben sich die Hafengegner gegönnt und eine Verschnaufpause eingelegt nach den extrem arbeitsreichen Tagen und Wochen, als es galt, ihren Beitrag für die Einwohnerbefragung für oder wider den Ausbau des Godorfer Hafens vorzubereiten. In der Endphase haben sie manchmal fast 24 Stunden täglich geschuftet - telefoniert, organisiert, informiert. Im Juli 2011 fand die Auswertung der Befragung statt - die Stimmen reichten nicht, um die Erweiterung zu stoppen.
Dennoch ist von Entmutigung nichts zu spüren bei den Hafengegnern, sondern trotzig sagen sie: Jetzt erst recht. Auch der aktuelle - und so erwartete - Ratsbeschluss für ein neues Planverfahren belastet die Akteure offenbar wenig. "Aufgeben?" - Da müssen sie lachen, Dieter Neef und Helmut Feld, Thomas Kahlix, Christine Müller. "Wir befinden uns nach dem Marathon auf den letzten 500 Metern. Und die schaffen wir auch noch", sagen sie.
Unermüdliche Arbeitstiere
Das Kernteam hat sich privat in einer Wohnung in Rodenkirchen getroffen. Keine Krisensitzung. Einfach so. Bei ihren Zusammenkünften besprechen sie, wer sich um welche Aufgaben kümmert, legen Termine für die Mahnwachen fest und halten die Internetseite der AG aktuell. "Alle Zähler sind auf Null gestellt", sagt Helmut Feld. Er und Dieter Neef sind die "Vorkämpfer" und diejenigen, die wohl am meisten Energie und Kraft in den Kampf gegen die Hafenerweiterung gesteckt haben. Unermüdliche Arbeitstiere sind die Pensionäre - und hoffnungsvolle Optimisten.
Das neue umfangreiche Planverfahren, das jetzt aufgerollt wird, wird sich in die Länge ziehen. "Das ist ein langer Rattenschwanz", meint Dieter Neef. Darüber freuen sich die Auenkämpfer, denn das bedeutet einen Zeitgewinn. "Es gibt Kommunalwahlen im Jahr 2014", so die Akteure. Bis dahin werde sich ein Generationenwechsel in den Parteien vollzogen haben. Die Hafengegner rechnen damit, dass sich die politische Mehrheit gegen den Ausbau aussprechen wird.
Zahlen in Frage stellen
Genau darauf wollen sie Einfluss nehmen. Und das bedeutet wieder einmal: Zahlen in Frage stellen, Alternativen präsentieren, argumentieren. Reden, reden, reden. Mit Bürgern, Behörden und der Politik. "Wir werden aktiv sein wie nie zuvor", verkündet Thomas Kahlix. Die Aktionsgemeinschaft setzt dabei auf ihren Bekanntheitsgrad und ihre Vernetzungen, die sie im Lauf der vergangenen Jahre aufbauen konnte. "Wir haben ein breites Spektrum der Bevölkerung erreicht", sagen die AG-Mitglieder. "Wir sind nicht mehr die Ewiggestrigen, als die wir anfangs noch belächelt wurden."
Welche Schritte sie als nächstes vorhaben, verraten sie nicht. Aber ihre Motivation scheint ungebrochen. Beflügelt sind sie auch durch "Stuttgart 21". Dieser Protest zeige, dass sich die Bürger nicht einfach alles gefallen ließen. Nicht nur in Stuttgart. Mit Genugtuung denken sie zurück an den Januar 2009, als die Bagger begannen, die Sürther Aue platt zu machen. Mehr als 100 Leute kamen damals in aller Früh zusammen, um die Arbeiten zu verhindern oder zumindest, um sie zu behindern. "Das war ein Riesen-Engagement", sagt Thomas Kahlix. Gerodet wurde trotzdem.
38 000 Unterschriften gesammelt
Mit einem Schmunzeln im Gesicht denken sie auch zurück an den Dezember 2007, als sie nahezu 38 000 Unterschriften - mehr als ein Dutzend Ordner - in der Stadtverwaltung abgaben. "Das war ein erhebendes Gefühl, mit einer vergleichsweise kleinen Mannschaft so viel erreicht zu haben", sagt Helmut Feld. Der Rat hat das Begehren zwar abgewiesen. Aber auch darin sehen die Hafengegner nicht wirklich einen Rückschlag. "Wir haben viel gelernt", heißt es. Und dieses Mehr an Wissen und Erfahrung gedenken sie einzusetzen. Die neue Runde im Kampf gegen die Hafenerweiterung ist eingeläutet. Die Besprechungen und die regelmäßigen Treffen werden sich bald wieder häufen.
»»» http://www.ksta.de/html/artikel/1319578191215.shtml
Liebe Mitstreiter und Auenfreunde,
zur Unterstützung des Widerstandes gegen die unsinnige Hafen-erweiterung hat Dietmar Putscher einen sehr schönen Auen-kalender für das Jahr 2012 (Größe A3 quer) gestaltet. Der Kalender mit Fotos aus der Zeit vor und auch nach der Rodung ist als PDF (in niedriger Auflösung) unten downloadbar.
Preis / Unterstützung::
Der Verkaufpreis ist 12 €. Hiervon fließen 4 € in die Auenkasse.
Bestellung:
Wenn Sie Interesse haben, eine bestimmte Anzahl von Kalendern zu reservieren, bitte ich um Bestellung per Mail an: helmut_feld(at)web.de
Abholung:
Die Kalender können am Samstag, 26. November 2011 zwischen 15.00 Uhr und 18.00 Uhr bei Dietmar Putscher, Hammerschmidtstr. 31a, 50999 Köln-Sürth abgeholt werden. - Achtung: die Auflage ist limitiert.
Deutliche Mehrheit der Kölner gegen den Hafenausbau
Rund zwölf Prozent Vorsprung für Ausbaugegner
Mehrheit der Stadtbezirke gewonnen
Erfolgreiche Arbeit gegen den Ausbau wird fortgesetzt
Köln, den 11.Juli 2011. Die Gegner des Hafenausbaus in Godorf haben die Bürgerbefragung deutlich gewonnen. Der Stimmenvorsprung beträgt rund 12 Prozent. Die Mehrheit der Kölner Wähler ist gegen den Ausbau des Godorfer Hafens. Gleichzeitig haben die Ausbaugegner auch in fünf der neun Kölner Stadtbezirke gesiegt. Die insgesamt rund 73.000 Wähler-stimmen gegen den Hafenausbau sind ein starkes politisches Signal an den Kölner Rat, das Projekt endgültig zu stoppen. Gegen diese große Zahl von engagierten Kölner Bürgern ist mittelfristig keine erfolgreiche Politik mehr zu machen. Die Aktionsgemeinschaft wird den Abstimmungssieg nutzen, um die erfolgreiche Arbeit gegen den Hafenausbau weiter fort- zusetzen und das unnötige Projekt endgültig zu stoppen.
Im Vergleich zum Bürgerbegehren gegen den Ausbau im Jahr 2007 haben die Ausbaukritiker ihre Stimmenzahl verdoppelt, sodass aus dem Protest jetzt eine Bürgerbewegung geworden ist. Das Abstimmungsergebnis ist ein großer Erfolg, weil die Ausbaubefürworter ein Wahlkampfbudget mit hundertausenden Euros eingesetzt haben und trotz Ballonflügen, Zeitungsbeilagen, Radiospots und Großflächenplakaten bei der Ab- stimmung unterlagen. Die Tatsache, dass mit der HGK erstmalig ein städtisches Unternehmen im Stile einer politischen Partei Straßen-wahlkampf in den Fußgängerzonen der Stadt gegen die Bürger geführt hat, dürfte den Aufsichtsrat des Unternehmens noch beschäftigen.
Im Vergleich zum Bürgerbegehren gegen den Ausbau im Jahr 2007 haben die Ausbaukritiker ihre Stimmenzahl verdoppelt, so dass aus dem Protest jetzt eine Bürgerbewegung geworden ist. Das Abstimmungsergebnis ist ein großer Erfolg, weil die Ausbaubefürworter ein Wahlkampfbudget mit hundertausenden Euros eingesetzt haben und trotzBallonflügen, Zeitungsbeilagen, Radiospots und Großflächenplakaten bei der Abstimmung unterlagen. Die Tatsache, dass mit der HGK erstmalig ein städtisches Unternehmen im Stile einer politischen Partei Straßen-wahlkampf in den Fußgängerzonender Stadt gegen die Bürger geführt hat, dürfte den Aufsichtsrat des Unternehmensnoch beschäftigen.
Oberbürgermeister Roters erklärte das Projekt einer stärkeren Bürger-beteiligung gestern umgehend für gescheitert und forderte einen sofortigen Ausbau des Godorfer Hafens. Der OB sprach, noch bevor das vorläufige Endergebnis der Bürgerbefragung am Abend vorlag. Dieses Verhalten ist peinlich und entlarvend. Der Kölner SPD und ihrem OB ging es nie um eine ernsthafte Stärkung der Bürgerbeteiligung. Die Befragung war immer nur ein Mittel zum Zweck, mit dem der Ausbau nach dem juristischen Aus doch noch durchgesetzt werden sollte.
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